also eigentlich.

Der Hauptstadtjournalismus und Twitter

Das tut ja schon ein bisschen weh, aber irgendwie muss ich fürchterlich lachen.


(Direktlink, via Carta)

Das Kraftfuttermischwerk sagt "Das tut ja schon ein bisschen weh". Ich sag, das ist wirklich ein Armutszeugnis für den deutschen Journalismus. Also dass Journalismus und das Internet seit jeher nicht so richtig zusammenpassen, weiß man ja. Schlagwörter: Informationsmonopol, Urheberrecht, Leistungsschutzrecht. Aber, dass die grundsätzliche Entwicklungen so verschlafen werden. Fürchterlich. Ich hätte vermutet, dass es zur journalistischen Pflicht gehört, natürlich auch Twitterkonten zu folgen. Ich bin immer noch etwas sprachlos.

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Alle Jahre wieder. Der Terror.

Alle Jahre wieder präsentieren wir Ihnen die Terrorgefahr. Vor allem aber auch die Leute, die sich über erhöhte Sicherheitsmaßnahmen und -vorkehrungen aufregen oder lustig machen. Ich finde das schlimm. Klar ist, dass es so mancher Politiker und Polizeieinsatzleiter übertreibt. Klar ist, dass man nicht die direkten Persönlichkeitsrechte der Bürger bis zur Intimsphäre beschneiden sollte. Aber ich finde doch, dass Vorsicht besser als Nachsicht ist. Jetzt kenne ich mich mit den BND Informanten und Informationsquellen nicht so ganz aus. Aber, wenn es einigermaßen konkrete Hinweise gibt, finde ich jede Vorsichtsmaßnahme gut, die im Ernstfall dafür sorgen könnte, dass ein Anschlag wie z. B. damals in Madrid hier evtl. verhindert werden könnte.

Wir wollen nicht hoffen, dass es soweit kommt. Aber was würden die Leute sagen, die sich jetzt über die schwer bewaffnete Polizei aufregen, wenn genau die einen Anschlag aufhalten würden? Was würden die Leute denken, wenn es diese Sicherheitsvorkehrungen nicht gäbe und es einen Anschlag mit zahlreichen Verletzten gäbe?

Es geht um das Mittelmaß zwischen Sicherheitsvorkehrungen und Lockerheit. Es geht sicherlich darum, diesen Mittelweg zu finden und darüber zu diskutieren. Es geht NICHT darum, genau das auf die leichte Schulter zu nehmen und das als ein Riesen-Spaß zu sehen. Besonders fürchterlich sind Lieder über die Terrorgefahr. Mit Textzeilen wie "Im Auto vor mir fährt ein Selbstmordattentäter..." oder "Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm. Da kommt der Terrorist her und es macht bumm.". Auf Twitter gab es in letzter Zeit viel von #deutscheterrorlieder zu lesen. Klar, alles total lustig, aber mein Humor ist es nicht. Und irgendwo hört es dann auch mal auf lustig zu sein.

Nein, ich bin der festen Überzeugung, dass man die Terrorgefahr ernst nehmen muss. Nicht in dem Sinne, dass jetzt jeder ängstlich zuhause sitzen sollte und nur die totale Überwachung für Sicherheit sorgen könnte. Aber man sollte für einen möglichen Bedrohungsfall gerüstet sein. Es ist ja jetzt leider nicht so, dass es in letzter Zeit und in den letzten Jahren keine gefährlichen Anschläge und Terrorwarnungen gab. Insofern finde ich, dass hier der Spaß aufhört.
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Deutschland bruddelt.

Im Schwabenland "bruddelt" jemand, wenn er "vor sich hin schimpft". Und geschimpft wird jede Menge. Nicht nur hier, sondern insbesondere auch in ganz Deutschland. Über den Umgang mit der Umwelt, über Bildung, über die ungerechte Verteilung der Steuergelder, über Politik im Allgemeinen und über die Wirtschaft sowieso. Ja auch über den Verkehr, über das richtige Rentenalter, über Gehaltsentwicklungen, über mangelnde Lebensqualität. Über Ausländer, den Arbeitsplatz, über die Praxisgebühr. Über Müll im Fernsehen, Großbaustellen und über die Demokratie. Also über die kleinen, wie über die ganz großen Dinge, die die Gesellschaft so mit sich bringt. Und eine solche Liste lässt sich endlos fortsetzen.

Auf was ich hinaus will. Statt die Erfolge und Leistungen der Politik und Wirtschaft, aber natürlich auch jedes einzelnen Bürgers, zu würdigen, wird lieber alles, ja "das ganze System", in Frage gestellt. Eine Finanzkrise, die ja vor allem eine Bankenkrise war, wird als der Untergang des Kapitalismus und der sozialen Marktwirtschaft hochstilisiert und Unternehmer wie Manager als das Schlechte dargestellt und an den Pranger gestellt. Weil die Regierung in bestimmten Entscheidungen, zumindestens fragwürdige Positionen einnimmt, wird die Demokratie und die Politik verteufelt. Das aber ist doch völliger Blödsinn. Insgesamt gesehen gab und gibt es mehr Gutes als Schlechtes. Und das unter schwarz-gelb wie unter rot-grün, wie unter der großen Koalition. Betrachtet man die letzten fünfzig Jahre Deutschland, so sieht man vor allem eine Erfolgsgeschichte. Wirtschaftlich gesehen sowieso, aber auch im Ansehen auf der ganzen Welt und dem Wohlstand und Lebensstandard im Land.

Ich will jetzt nicht alles gut reden. Natürlich gab es auch Entwicklungen und Entscheidungen die ich schlecht fand. Die sogar direkte Auswirkungen auf mein Leben hatten. Trotzdem sollte man und bin ich, wie gesagt, zufrieden und glücklich mit der Gesamtsituation. Manche Mehrheitsentscheidungen oder Kompromisslösungen müssen auch entgegen eigener Interessen akzeptiert werden. Denn eine perfekte Gesellschaft, unter Berücksichtigung aller Bürgerinteressen, auch der Meinungen von Minderheiten, kann es nicht geben. Und viele Entscheidungen werden immer zu Ungleichgewichten, zur Bevorteilung bestimmter Gruppierungen führen. Das ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Demokratie.

Und wer das Positive nicht sehen möchte, dem empfehle ich einen Urlaub in einem Entwicklungs- oder Schwellenland. Wie in meinem ersten Beitrag schon nebenbei erwähnt habe, bin ich zwar hier geboren, aber kein Deutscher. Meine Wurzeln kommen aus einem typischen Entwicklungsland, das sich mittlerweile zu einem Schwellenland gemausert hat. Ein Land also, das sich weder besonders um die Umwelt kümmert, noch über ein gerechtes Schulsystem verfügt. Besteuert wird nach einem ziemlich einfachen Flat-Tax Steuersystem, welches hier als ungerecht empfunden werden würde (und daran weder Merz noch Kirchhof was hat ändern können). Die Politik, Regierung und Polizei gelten als korrupt. Die durchschnittliche Fahrtzeit für eine Strecke von 400km beträgt unter Umständen bis zu 10h mit dem Auto. Das BIP pro Einwohner liegt bei ca. 1.900 US$ (Deutschland: ca. 40.000 US$).

Nach einem solchen Urlaub wird man einsehen, dass es so schlecht in Deutschland nicht ist. Das weder die Politik, noch die Wirtschaft als nur schlecht abgetan werden können.

Ich hoffe, dass die von Journalisten, den zugehörigen Nachrichten, Talkrunden und Protestbewegungen geförderte "Bruddelkultur" nicht noch mehr gestärkt wird. Eine Auseinandersetzung wie die um Stuttgart 21 und den Atomkraftausstieg wird dabei schnell zum Rundumschlag gegen alles, was nicht in den Kram passt. Und das ist einfach völlig unpassend.

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Daten, Statistik und Entwicklungsländer. Interessanter Vortrag dazu.

"There is no such thing as the western world and the developing world [...] this is crap". Hans Rosling über die Missinterpretierung von Daten, der Sterblichkeitsrate unter Kindern, den Erfolgen bei der Reduzierung dieser Sterblichkeitsrate unter den afrikanischen Ländern und der falschen Kategorisierung von Ländern in eine westliche Welt und den sogenannten Entwicklungsländern durch die UN.

WTF: Singapur, Quatar Katar und Südkorea werden noch als Entwicklungsländer klassifiziert?

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Stuttgart 21, die Kosten und die Alternativen

Also eigentlich hatte ich mir vorgenommen, hier nichts mehr Grundsätzliches über das Thema zu schreiben. Ich diskutiere zwar immer noch sehr gerne und die Befürworter-Demos Donnerstags verfolge ich auch noch. Aber ansonsten glaube ich, dass zu dem Thema schon alles gesagt worden ist. Von beiden Seiten. Aber in meinen Diskussionen wurde ich auf einige Themen immer wieder angesprochen. Und bevor meine Position dazu in den Untiefen der Wortgefechte und Diskussionsforen verloren geht, wollte ich das auch hier mal doch mal niederschreiben. Dieses Mal soll es um die Kosten gehen.

Eine oft genannte und sicherlich eine der schwerwiegendsten Argumente gegen Stuttgart 21, bezieht sich auf die hohen Kosten. Im Grunde genommen gibt es hier drei Werte, auf die immer Bezug genommen wird. Die Befürworter nennen die von der Bahn kalkulierte Zahl von ca. 5 Mrd. Euro. Die Gegner beziehen sich auf den Maximalwert zwischen, soweit ich weiß, 9-10 Mrd. Euro der von Vieregg-Rössler kalkuliert wurde. Und ich als Unternehmer gehe in solchen Fällen immer von Mittelwerten aus, die sich also im Bereich von 6-8 Mrd. Euro bewegen würden. Tatsächlich deckt sich diese Zahl auch mit der Kostenschätzung des Umweltbundesamts. Das ist sicherlich viel Geld. Es geht allerdings nicht darum, entweder dieses Geld zu investieren oder alternativ eben kein Geld.

Tatsächlich kostet auch jede Alternative viel Geld. Es geht um zwei Alternativen. Den Weiterführungsfall und einer Modernisierung des Kopfbahnhofs. Der Weiterführungsfall beschreibt, dass der bestehende Bahnhof einfach weiter bestehen bleibt. Außer dringend notwendige Sanierungen werden keine weiteren Arbeiten vorgenommen. Die Folge ist, dass das Fahrplanangebot nicht verbessert wird, die Fahrzeit im besten Fall gleich bleibt und nichts dafür getan wird, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen. Der Weiterführungsfall wurde im Rahmen der Stuttgart 21-Machbarkeitsstudie der  Bahn untersucht. Damals wurde der Weiterführungsfall mit 2.9 Mrd. DM einmaligen Investitionskosten und laufenden Kosten von 434 Mio. DM pro Jahr bewertet. Allerdings fielen dabei auch sämtliche Mehrerträge weg. Und diese Mehrerträge führten dann auch zum positiveren Kosten-/Nutzenverhältnis für Stuttgart 21. Der Weiterführungsfall ist also die Schlechteste aller möglichen Varianten, da der Schienenverkehr überhaupt nicht verbessert wird. Gleichzeitig fallen aber selbst in diesem Fall recht hohe Kosten an. Diese dürften tendenziell, wie auch die Kosten von Stuttgart 21, gestiegen sein, weil in den Bahnhof und in die Schienen in den letzten zehn Jahren fast nicht mehr investiert wurde. Zusätzlich muss mit Kosten gerechnet werden um von den bestehenden Bauverträgen zurückzutreten.

Bei der Alternative Kopfbahnhof 21 wird im Moment mit Investitionskosten von 1-2.5 Mrd. Euro von den K21-Befürwortern kalkuliert, S21-Befürworter rechnen mit 3-4 Mrd. Auch hier wird man mit einem Mittelwert sicherlich nicht ganz falsch liegen. Allerdings stehen wir hier noch am Anfang aller Planungen. Und die Erfahrung zeigt, dass ein zunehmender Detaillierungsgrad der Planungen auch steigende Kosten zur Folge hat. Zusätzlich fallen notwendige Sanierungskosten am Bahnhof an, die den Bahnhofsbetrieb in den nächsten zehn Jahren K21-Planfeststellungsverfahren gewährleisten und eventuell entstehende Kosten um von bestehenden Bauverträgen zurückzutreten. In der Summe werden wir also selbst bei dieser Alternative bei 5-7 Mrd. Euro landen.

Entgegen vieler anderer Befürworter, sehe ich K21 nicht gänzlich als Phantom an. Ich bin mir sicher, dass diese Alternative technisch realisierbar ist. Ob die vielen oberirdischen Gleise, ob die neuen Brückenwerke, z. B. in Bad Cannstatt oder Esslingen-Mettingen oder Obertürkheim bzw. Untertürkheim aber sinnvoll oder besser akzeptierbar sind, das sollen die Anwohner dort entscheiden. Ob ein neues Stadtviertel ohne Gleise und damit verbunden ein Stadtviertel mit Wohn- und Gewerbeimmobilien sinnvoll ist, dass soll jeder selbst entscheiden (tatsächlich ist ja auch bei K21 ein neues "Stadtviertel" geplant, dieses aber direkt an den Gleisen, was zur Folge hat, dass diese Immobilien wohl nur gewerblich genutzt werden können).

Hochtrassek21
Visualisierung des K21-Brückenwerks Esslingen-Mettingen.

Wir reden also höchstens über die Differenz zwischen den ca. 7 Mrd. für Stuttgart 21 und den 6 Mrd. für Kopfbahnhof 21. Bitte jetzt nicht an genauen Zahlen festmachen. Ich bin kein Bau- und Verkehrstechniker. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass die Differenz zwischen den beiden Alternativen nicht so groß ist, wie behauptet. Gleichzeitig aber der städtebauliche Nutzen von Stuttgart 21 wesentlich höher ist, als bei K21. Das führt für mich dazu, dass ich selbst in der Kostenfrage zu Stuttgart 21 tendiere.

Trotzdem finde ich die Argumentation beider Seiten in der Frage ziemlich bescheiden. Die Befürworter müssten ihre Kostenrechnungen kritisch hinterfragen und überprüfen. Zu höheren Kalkulationen muss man stehen und die Finanzierung dafür sicherstellen. Das ist dann ein rein politisches Thema. Gleichzeitig sollten die Projektgegner nicht genauso handeln wie die Befürworter. Auch die Gegner müssen für ihre Alternativen natürlich eine Kalkulation kommunizieren, die realistisch und einigermaßen zuverlässig ist.

Und es sollte darauf hingewiesen werden, dass die Finanzierung dieses Projekts natürlich nicht auf einmal erfolgt. Die Finanzierung erfolgt über 10 Jahre. Beim gegenwärtigen Stand würde Stuttgart 21 also einen Anteil von 4-5% am Verkehrshaushalt reservieren. Oft wird davon ausgegangen, dass jetzt das Geld auf einmal ausgegeben wird und deswegen für andere Projekte in den nächsten zwei Jahren überhaupt kein Geld mehr vorhanden wäre. Dem ist natürlich nicht so.

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Eskalation in Stuttgart

Gestern war ein schlechter Tag. Wie die Stuttgarter Zeitung feststellte ein "Trauriger Tag". In Stuttgart beobachtete man die Eskalation zwischen Staat und Bürgern. Geschürt von Ängsten und der nicht deeskalierenden Medien. Die Eskalation die sich seit Monaten langsam steigerte, fand gestern einen ersten schlimmen Abschluss.

Egal, ob Politiker, Polizei oder Demonstrant. Gestern haben alle Beteiligte, die eigentlich zusammenleben sollten, sich in beeindruckendem Maße auseinandergelebt. Wie konnte es dazu kommen? Es ist kein Ereignis, das plötzlich entstand, sondern das sich über Monate hin dahin entwickelt hatte. Gegner und Befürworter stehen sich unversöhnlich gegenüber. Ein ernstzunehmender Dialog fand schon lange nicht mehr statt, weder von der einen, noch von der anderen Seite. Die konstruktive Diskussion ist von beiden Seiten nicht vorgesehen. Was nicht bedeutet, dass die Seiten nicht kommuniziert hätten. Werbung für sich und ihre Position haben sie jede Menge gemacht. Aber eben ohne den anderen zu hören, gar warzunehmen.

Gestern wurden dann alle Möglichkeiten angewendet, die sowohl den Polizisten als auch den Demonstranten zugestanden werden. Die Frage ist, wie weit darf man gehen. Das Wort "Verhältnismäßigkeit" fiel gestern sehr oft.

Dazu muss erst mal der Rahmen geklärt werden. Es geht doch in erster Linie noch nicht mal um Stuttgart 21. Es geht um eine Möglichkeit den Stuttgarter Bahnhof und die Strecke Stuttgart-Ulm zu sanieren und zu modernisieren. Beides ist notwendig, um einerseits den zuverlässigen Betrieb in den nächsten Jahren zu gewährleisten und darüberhinaus den neuen Anforderungen in Zukunft zu begegnen, sowohl bezüglich der Leistungsfähigkeit des eigentlichen Bahnhofs, als auch die bessere Anbindung des Regional- und Fernverkehrs. Dazu gibt es verschiedene Wege, die vor Jahren schon geprüft wurden. Man kann den bestehenden Kopfbahnhof sanieren, erzielt aber dadurch überhaupt keine Vorteile und stellt nur sicher, dass der Betrieb weitergeht. Man kann den bestehenden Kopfbahnhof modernisieren, die Variante die auch als "Kopfbahnhof 21" bezeichnet wird. Eine Alternative die als nicht realisierbar gilt. Und das Modell "Stuttgart 21" das nun so kontrovers diskutiert wird.

"Stuttgart 21" wurde von drei Parteien beschlossen, der CDU, der FDP und der SPD. Die Finanzierung wurde sichergestellt. Nicht ohne Diskussion und nicht ohne weitere und detailliertere Prüfungen, was bei so einem Großprojekt völlig richtig und wichtig war. Gerichtsverfahren gegen das Projekt, aufgrund von Normfehler oder Fehler im Planfeststellungsverfahren, endeten mit Urteilen für die Projektträger. Wenn man so will und das auf die Gewaltenteilung in Deutschland bezieht, wurde das Projekt legislativ und judikativ bestätigt und ausgefochten.

Nun folgt etwas, was ich in der Form in Deutschland noch nie erlebt habe. Massiv wird Stimmung gegen das Projekt gemacht. Das Projekt wird emotionalisiert (Bäume, Schloßgarten) und in einer Art und Weise negativ dargestellt, dass ich mich frage, ob Bürger, Opposition und Journalisten völlig die objektive Betrachtung eines Sachverhalts verlernt haben. Argumentierte Vorteile werden ausgeblendet, argumentierte Nachteile anderer Lösungen ignoriert. Medien übernehmen ungeprüft und einseitig Stellung. Der Stern schoss gestern mit seinem Artikel den Vogel ab, weil viele dort genannten Tatsachen schlichtweg falsch sind. Die Opposition, allen voran die Grünen, gehen gegen alles vor, was demokratisch beschlossen ist ohne eine Alternative zu nennen. Überhaupt wird nicht versucht Alternativen aufzuzeigen. Das was ich erwarten würde, wenn man sich so vehement gegen ein Projekt stellt.

Das hat zur Folge, dass Demonstranten, aber auch ganz viele Außenstehende, die sich mit dem Projekt überhaupt nicht eingehend beschäftigt haben, die Meinung bekommen, dass da alles Lug und Betrug ist. Ein Projekt, das eine Gefahr für Menschen bedeutet und völlig nutzlos ist. Der Aufstand gegen ein Projekt, das genau das wäre, wäre nachvollziehbar. Mein Partner hat gestern ganz richtig gesagt "man sieht die Ohnmacht und die Verzweiflung der Demonstranten". Die letzte Möglichkeit ein so nutzloses Projekt zu stoppen, die Sitzblockade. Die Polizei, versucht seiner Aufgabe, und da schließt sich der Exkurs in die Gewaltenteilung, der Exekutive, gerecht zu werden. Wählt dabei aber Mittel und Wege die völlig am Ziel vorbeigehen. Unverständlich, das sie meinen, so der Lage Herr zu werden. Die Blockade hätte auf anderem Wege aufgelöst werden müssen.

Aber wir sind weit weg davon, dass Stuttgart 21 wirklich so negativ und sinnlos ist, wie alle sagen. Und hier hinkt auch der, gestern oft aufgestellte, Vergleich mit den Bürgerprotesten in der DDR. Es ist ein völlig normales Infrastrukturprojekt, wie es auch der Ausbau der A8 ist und war oder der Bau der ICE-Neubaustrecke Augsburg-München. Und es ist nicht der Kampf auf Leben und Tod oder gegen politische Unterdrückung.

Wie eine Auflösung der verfahrenen Situation aussehen könnte? Ich kann es nicht sagen, es ist von beiden Seiten Bewegung notwendig. Die seh ich aber nicht. Es muss wieder der Dialog gesucht werden. Zwingend.

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Neues zu Stuttgart 21

Also eigentlich komme ich ja gerade frisch aus dem Urlaub zurück. Und trotzdem handelt mein erster Beitrag von Stuttgart 21. Das klingt absurd und ist es eigentlich auch. Aber es spiegelt auch die Situation wieder die wir bei unserer S-Bahn-Heimfahrt vom Flughafen beobachten konnten. Da unterhalten sich ein Stuttgarter und ein Pärchen nicht zuerst über den Flug aus Madrid. Nein, das erste Thema überhaupt war eben Stuttgart 21. So kommt es, dass auch ich noch mal etwas dazu schreiben möchte, obwohl ich mit meinen beiden Beiträgen "Pro Stuttgart 21" und "Ja, nein, ich mein, jein. Stuttgart 21" schon alles zu meiner Meinung zu Stuttgart 21 gesagt hatte. Mir geht es auch weniger irgendwelche K21-Anhänger zu bekehren. Wie schon geschrieben, glaube ich da fast nicht mehr an ein versöhnliches Ende. Aber meine tendenziell positive Haltung zu Stuttgart 21 gilt es natürlich auch immer bei aller Gegenargumentation aufrecht zu erhalten. Dabei hilft der Artikel "Anmerkungen zur Broschüre 'K21 - Die Alternative zu Stuttgart 21'" von Prof. Gerhard Heimerl, ehemals Direktor des Verkehrswissenschaftlichen Instituts an der Universität Stuttgart.  Dort geht er detailliert auf die von Gegnern gern verwendete K21-Broschüre ein, die das Gegenmodell zu Stuttgart 21 beschreibt.

So wird die Kritik an dem zu geringen Gleisabstand widerlegt. 

Eine Vielzahl der Tunnel im deutschen Bahnnetz hat einen Gleisabstand, der geringer ist als die für Neubauten geforderten 4,00 m. So sind auch im Stuttgarter S-Bahn-Bereich von Regional- und Fernzügen und S-Bahn befahrene Tunnel mit geringeren Gleisabständen vorhanden, deren Betrieb seit Jahrzehnten problemlos und gefahrlos läuft (Pragtunnel, Rosensteintunnel, Schwaikheimer Tunnel mit Gleisabständen von 3,75 bzw. 3,65 m).
Es wird erklärt, warum es an Stuttgart 21 überhaupt keinen integralen Taktfahrplan geben wird, ergo alle Prüfungen der Leistungsfähigkeit bezüglich diesen geändert werden müssen. 
Die Einrichtung eines „ITF-Vollknotens“, bei dem die Züge aller Verkehrsrichtungen und aller Zuggattungen (ICE, IC/EC, RegionalExpress/RegionalBahn) gleichzeitig zum Umsteigen im Bahnhof bereitstehen, macht bei der Streckenstruktur im Raum Stuttgart keinen Sinn. Denn im Zulauf auf Stuttgart werden z. B. von Osten her in Plochingen die je zweigleisigen Strecken von Ulm-Geislingen und Tübingen zusammengeführt, ebenso in Waiblingen die Strecken von Aalen und Schwäbisch Hall. Von Cannstatt zum Hauptbahnhof schließlich müssen die Züge dieser vier zweigleisigen Strecken die selben Gleise benutzen. Das bedeutet, dass die ankommenden ICE, IC, RE und RB (d. s. nach derzeitigem Stand bereits 7 Züge) alle hintereinander in den Stuttgarter Hbf einfahren müssen. Bei einem Zugfolgeabstand [...] führt dies [...] dazu, dass Regionalzüge bis zu 38 Minuten am Bahnsteig stehen müssen, bis [...]; bei zwei zusätzlichen Gleisen zwischen Hbf und Cannstatt ließe sich diese Zeit auf 26 Minuten reduzieren (aus/in Richtung Feuerbach sind es 32 Minuten).
Bei Stuttgart 21 liegen die Aufenthaltszeiten der zusammengeführten Züge bei maximal 14 Minuten. Ein Beispiel dazu findet sich im Artikel von Prof. Heimerl.

Es wird beschrieben, dass der neue Hauptbahnhof mit vier zweigleisigen Strecken angefahren wird, während beim Kopfbahnhof eine eingleisige und zwei zweigleisige (bei Ausbau der Strecke zwischen Hauptbahnhof und Bad Cannstatt (die ja ebenfalls sehr umstritten ist)) Schienen reichen müssen. 
Abgesehen von den S-Bahn-Gleisen, die bei K21 und S21 gleich bleiben, führen in den künftigen Durchgangsbahnof vier zweigleisige Strecken ein (Richtung Feuerbach, Cannstatt, Wangen und Flughafen).  In den derzeitigen Kopfbahnhof sind es demgegenüber nur eine eingleisige (Gäubahn) und zwei zweigleisige Strecken (Richtung Feuerbach und Cannstatt); beim Bau von zwei weiteren Gleisen zwischen Hbf und Cannstatt wären es bei K21 eine eingleisige und drei zweigleisige Strecken.
Es wird darauf eingegangen, dass die Belastung der Neubaustrecke durch den Fern- und Regionalverkehr gar nicht als mehr Belastung im Vergleich zum Kopfbahnhof gesehen werden kann. Sondern dass beim Kopfbahnhof ebenfalls der Fern- und Regionalverkehr und unter Umständen auch noch der S-Bahnverkehr auf den neuen Schienen fahren müssen.  
Die Gegner kritisieren, dass bei S21 zwischen Hbf und Flughafen auf der Neubaustrecke Schnellverkehr und Regionalverkehr überlagert sind und bei diesem „faulen Kompromiss“ dann „im betrieblichen Alltag Störungen und Behinderungen auftreten“ werden. Demgegenüber ist es anscheinend problemlos, wenn bei dem über viele Jahre verfochtenen Konzept K21 vom Flughafen kommend auf der NBS zwischen Scharnhausen/Denkendorf und Obertürkheim/Mettingen auch die Fern- und Regionalzüge der Gäubahn und sogar noch eine S-Bahn-Linie – und damit also noch mehr Züge – zusätzlich zum Schnellverkehr fahren sollen.
Es wird erklärt, dass ein Ausbau der Strecke Wendlingen nach Ulm für den Güterverkehr kaum realistisch ist.
eine für schwere Güterzüge taugliche Trasse verlangt wird, so würde das bedeuten, entweder für Wendlingen – Ulm einen Basistunnel unter der Alb (wie beim Gotthard) zu bauen oder zur Führung der Strecke durch das Filstal zurückzukehren – dort mit viergleisigem Ausbau, mit Streckenbegradigungen (um wenigstens mindestens 160 km/h zu erreichen), mit Abriss von mehreren zig Häusern, mit Schallschutzwänden und Einhausungen der Bahn von 5 oder mehr Metern Höhe durch die Ortschaften.  
In der Broschüre zu Kopfbahnhof 21 wird propagiert, dass schon der jetzige Kopfbahnhof eine Kapazitätsgrenze von 51 Zügen pro Stunde besitzt. Tatsächlich stimmt diese Zahl leider nicht, sondern bildet sich aus Einfahrten und Ausfahrten wie sie beim Kopfbahnhof notwendig sind. 2009 gab es den Spitzenwert von 25 abfahrenden Zügen.

Und zuletzt geht er auf die größten Streitpunkte zwischen Befürwortern und Gegnern ein. Die Kosten und die Leistungsfähigkeit des neuen Stuttgart 21 Durchgangsbahnhofs. In der Tat und dem widerspricht auch keiner, entstehen höhere Kosten für Stuttgart 21. Und zwar eine Differenz von ca. 10%.
Geht man von den gleichen Steigerungsraten aus wie bei S 21, so errechnen sich für den Kopfbahnhof 21 insgesamt 3,74 Mrd. € (entsprechend den 4,01 Mrd. € für S 21). 
Nun wird natürlich schon darüber gestritten, dass die Kosten noch höher liegen werden. Diese Gefahr besteht aber beim Kopfbahnhof 21, wie bei allen Großbauprojekten, ebenfalls. So müsste man bei befürchteten 11 Mrd. für Stuttgart 21 natürlich auch davon ausgehen, dass die Kosten für K21 bei näherer Betrachtung steigen werden. Prof. Heimerl stellt aber dar, wieso diese Gefahr bei Kopfbahnhof 21 tendenziell höher sein müssten.
Die Erneuerung und Ertüchtigung des Kopfbahnhofes muss unter voller Aufrechterhaltung des Eisenbahnbetriebs in dem stark belasteten, vielfältig verflochtenen Knotenbereich durchgeführt werden. Das bedingt einen komplizierten Bauablauf mit vielen Interims-zuständen, erheblichen Betriebserschwernissen und massiven Betriebsbehinderungen. [...] Diese Zwänge erlauben auch in weiten Bereichen keine zeitgleichen Baumaßnahmen, so dass sich die Bauzeit über viele Jahre erstrecken würde. Damit müssten deutlich längere Erschwernisse für die Fahrgäste und Behinderungen auch im Stadtgebiet in Kauf genommen werden als bei S 21. [...] Daraus folgt: die oben dargestellte Hochrechnung der Investitionssumme für K 21 müsste eigentlich deutlich höheren Kostensteigerungen unterliegen als S 21, weil bei K 21 ein weit höherer Personalkostenanteil an der Gesamtsumme der Investitionen aufgrund der komplizierten Erneuerungs- und Ausbaumaßnahmen im komplexen Gleisfeld des Kopfbahnhofs anfallen würde. 
Die Leistungsfähigkeit des neuen Bahnhofs ist höher als der des neuen Kopfbahnhof 21.
So werden hier Gleisverbindungen unterschlagen, bestehende Fakten im Bestandsnetz, die gar nicht Teil der S21-Planung sind, als „Engpässe bei S 21“ ausgewiesen, Mischverkehre zwischen Regional- und S-Bahnen als kritisch dargestellt und Einfahrgeschwindigkeiten in den Flughafenbahnhof mit 80 km/h als Einschränkungen suggeriert. Mischverkehre werden auf den Außenstrecken der S-Bahn seit jeher praktiziert und sind auch Bestandteil der K21-Konzeption. Einfahrten in Bahnhöfe für dort haltende Züge sind fahr-dynamisch mit 80 km/h normaler Stand der Technik; bei K21 dagegen müssten alle Züge in den Kopfbahnhof mit deutlich niedrigerer Geschwindigkeit (heute 30 km/h) einfahren.
Weiterhin:

Für die Leistungsfähigkeit von Bahnhöfen gilt seit jeher: im Vergleich von Kopfbahnhof und Durchgangsbahnhof benötigt der Kopfbahnhof etwa doppelt so viele Gleise wie der Durchgangsbahnhof. [...] Darüber hinaus zeigen alle eisenbahnbetriebswissenschaftlichen Studien deutlich, dass die Gleisverflechtungen im Bahnhofsvorfeld für die Leistungsfähigkeit des Bahnhofes weit entscheidender sind als die Zahl der Bahnsteiggleise. [...] Um die Leistungsgrenzen über das für S 21 geplante Betriebsprogramm hinaus auszuloten, wurde ein „Szenario erhöhtes Angebot“ geprüft. Daraus zeigten sich sehr hohe Leistungsreserven beim Durchgangsbahnhof (bezogen auf den seinerzeitigen Jahresfahrplan 70 % für den Fernverkehr, >100 % für den Regionalverkehr). Neben der Leistungsfähigkeit eines Bahnknotens ist dessen betriebliche Flexibilität wichtig. Das gilt sowohl für später erforderliche Veränderungen des Betriebsangebots als auch für kurzfristige Abweichungen vom Regelbetrieb. [...] da die langfristige Entwicklung der Verkehrsnachfrage heute noch nicht zuverlässig abschätzbar ist. Diese Flexibilität ist [...] bei einem Durchgangsbahnhof grundsätzlich deutlich günstiger als beim Kopfbahnhof. Darüber hinaus reagiert der 8-gleisige Durchgangsbahnhof auch an der Grenze seines optimalen Leistungsbereichs (der deutlich höher liegt als derjenige des ertüchtigten 16-gleisigen Kopfbahnhofs) weit weniger empfindlich auf höhere Belastungen. Darüber hinaus zeigt eine Betriebssimulation, wie sie im Rahmen von Leistungsuntersuchungen üblich ist, dass Verspätungen, die von außen in den Knoten Stuttgart hineingetragen werden, beim geplanten Betriebsprogramm im Durchgangsbahnhof S 21 spürbar reduziert werden können, was beim Kopfbahnhof K 21 nicht der Fall ist. Auch ein entsprechend ertüchtigter Kopfbahnhof (K 21) ist in der Lage, die vom zukünftigen Betriebskonzept geforderte Leistung zu erbringen. Die Betonung liegt dabei allerdings auf „Ertüchtigung“, d.h. dem leistungssteigernden Ausbau des Gleisvorfeldes des bestehenden Kopfbahnhofs mit zusätzlichen Kreuzungsbauwerken und Gleisverbindungen. Dieser Ausbau in Kombination mit der umfassenden Erneuerung der aus der Zeit des 1. Weltkriegs stammenden, veralteten Bauwerke ist sehr aufwändig – sowohl in der technischen Abwicklung als auch in den Kosten.

Zu dem Resümee von Prof. Heimerl gibt es nichts zu kürzen und nichts hinzuzufügen, deswegen hier in Volllänge:

Den Anstoß zu Stuttgart 21 gaben zwar ursprünglich die Planungen zum europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz für den Fernverkehr. Durch die Gestaltung der Gleisanlagen und Netzanbindungen konnte aber für S 21 ein Betriebskonzept entwickelt werden, das dem Nah- und Regionalverkehr in noch stärkerem Umfang als dem Fernverkehr quantitative und qualitative Verbesserungen bietet und Kapazitätsausweitungen ermöglicht. Mit der Fahrmöglichkeit der Züge in allen Relationen ohne Richtungswechsel über den neuen Hauptbahnhof und mit der Durchbindung aller Regionallinien wird eine verkehrliche Optimierung über alle Fahrgastgruppen erreicht (Minimierung des Umsteigebedarfs, günstige Umsteigeverbindungen mit kürzestmöglichen Übergangszeiten und -wegen, kurze Aufenthaltszeiten für die durchfahrenden Reisenden und damit insgesamt Minimierung der Reisezeiten).

Die Behauptung, S 21 sei „nur immobilienwirtschaftlich motiviert und aus finanzieller und verkehrspolitischer Sicht völlig verfehlt“ (Seite 28), ist völlig absurd.

Die verkehrlich-eisenbahnbetriebliche Notwendigkeit des Ausbaues des Eisenbahnknotens Stuttgart im Zusammenhang mit dem europäischen Netz steht außer Frage. Der suggerierte Eindruck, mit K 21 dafür eine gleichwertige und kostengünstigere Lösung  erreichen zu können, ist falsch. Vielmehr zeigen die Ausführungen unter Punkt 8, dass K 21 Kosten in ähnlicher Höhe verursachen würde wie das bekämpfte S 21.

Man sollte daher konsequenterweise - wenn man vom „Milliardenprojekt Stuttgart 21“ spricht -  auch vom „Milliardenprojekt Kopfbahnhof 21“ sprechen.

Darüber hinaus besteht für K 21 weder eine schlüssige Planung noch ist eine Finanzierung dafür in Sicht. Insgesamt fehlt ein umfassendes bauliches, verkehrlich-betriebliches und finanzierungstechnisches Konzept. Das würde langwierige Planungsschritte und Verhand-lungen mit „neuen“ Betroffenen erfordern und damit zum Nachteil der Region und des Landes eine Verzögerung des Projektes von vielen Jahren bedeuten.

Demgegenüber vermag die Gesamtkonzeption Stuttgart 21 – entgegen den suggestiven Behauptungen der Broschüre  - auch weit in die Zukunft gerichtete Anforderungen deutlich besser zu erfüllen als das Konzept K 21. 

Die Frage ist natürlich inwieweit man Prof. Heimerl eine objektive Betrachtungsweise zusprechen kann. Seine Vita lässt aber darauf schließen, dass er die Sachlage kompetent beurteilen kann.
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Pro Stuttgart 21 und Gegner von Stuttgart 21

Gestern schrieb ich noch von meiner grundsätzlich neutralen Haltung pro oder gegen Stuttgart 21. Das bezog sich vor allem auf die Sachlage. Würde man das Projekt jetzt neu planen und beginnen, kann ich mich mit beiden Wegen anfreunden.


Klarzustellen ist aber natürlich, dass wir diesen Zeitpunkt schon lange überschritten haben. Stuttgart 21 durchlief alle politischen und rechtlichen Instanzen, wurde geplant und dann nach Plan auch mit den Bauarbeiten begonnen. Über Kritiker die jetzt davon sprechen, dass das Projekt undemokratisch entstanden ist, kann man dann auch keine weitere Worte verlieren. Außer, dass eben unsere legitim gewählten politischen Stellvertreter die Entscheidung für das Projekt getroffen haben. Einer davon, Herr Dr. Werwigk, beschreibt wie er zu der Entscheidung kam und wieso Stuttgart 21 so ausgestaltet wurde, wie es eben jetzt umgesetzt wird. Befürwörter wie Gegner sollten diesen Text lesen, enthält er doch viele Hinweise darauf, dass Stuttgart 21 natürlich durchdacht wurde und das damals keine leichte Entscheidung war.


In diesem Artikel ist auch beschrieben, warum es kein Zurück gibt und warum es richtig ist, jetzt daran festzuhalten.


Was ich aber im Moment viel erschreckender finde, ist die Art und Weise wie Gegner ihren Protest äußern. Ein Beispiel:

stuttgarter1977: Cool! Jetzt hats der #S21 Protest in den SWR3 Verkehrsfunk geschafft: "Wenn möglich die Innenstadt meiden"

Natürlich ist es ihr gutes Recht gegen Stuttgart 21 zu demonstrieren. Aber darauf stolz zu sein, dass der Innenstadtverkehr lahm gelegt wird, ist eine andere Geschichte. Es muss nicht immer auf dem City Ring demonstriert werden. Kritik und Protest kann auch ohne das Aufhalten des Verkehrs gezeigt werden.


Parolen und Transparente wie "Bahnhof und Park erhalten - Kapitalismus abschaffen" sind bedenklich. Eine sachbezogene Diskussion um den zukünftigen Bahnhof und Schienenverkehr darf eben nicht zu einer Plattform für platte, linksextreme Meinungen verkommen. Und durchaus sind sehr viele Demonstranten zu sehen mit Parteiwerbung die eindeutig dem sehr linken Spektrum zuzuordnen sind. Diese Instrumentalisierung halte ich aber für kontraproduktiv in jeglicher Hinsicht. Sowohl für die Position der Gegner als auch für die Wahrnehmung bei neutralen oder befürwortenden Menschen.


Ich kann mich nur wiederholen. Lasst uns die Zukunft gestalten und z. B. Einfluss auf die zukünftigen Bebauungspläne nehmen. Das ist wichtiger als der Kampf gegen ein Projekt, das (fast) unumkehrbar ist und bei einem Abbruch überhaupt niemanden geholfen wird, weil das Projekt dann mindestens 10 Jahre später umgesetzt werden könnte und bereits entstandene Kosten abgeschrieben werden müssten.

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Ja, nein, ich mein, jein. Stuttgart 21.

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Also eigentlich wollte ich dazu nichts schreiben, geschweige denn eine Meinung veröffentlichen. Bei der Flut von Meinungsäußerern, wird es einem selbst zu blöd eine Meinung zu vertreten.

Ich persönlich glaube auch nicht an ein baldiges versöhnliches Ende. Diskussionen, Gespräche, konstruktive Kompromisslösungen. All das was Demokratie ausmacht, ist bei den radikalen Extremen der Stuttgart 21-Gegner und -Befürwörtern im Moment völlig undenkbar. Die Fronten sind verhärtet und die Köpfe dick. Da kann man soviel schreien und argumentieren wie man möchte. Das merkt man ja schon daran, dass beide Seiten für sich proklamieren für alle Bürger zu sprechen. Ja, da werde ich aber zum Tier. Wer glaubt eigentlich im Ernst daran, dass er MEINE Meinung zu eigen machen kann. Niemand spricht für "den Bürger". Das Recht nimmt sich "der Bürger" ganz gerne selbst heraus. Und meine Meinung soll grundsätzlich erst mal weder von Befürwörtern noch von Gegnern zu eigen gemacht werden, repräsentative Demokratie hin oder her.

Nun aber, warum sollte ich der Sache noch was hinzuzufügen haben. Ja, weil ich zu den sogenannten Befürgegenwörtern gehöre. Einer jenen seltenen Gruppe, der es wirklich völlig egal ist, ob Stuttgart 21 oder Kopfbahnhof 21 realisiert wird. Klar ist nämlich, dass was passieren muss, es stellt sich "nur" die Frage nach dem Wie und somit dem Weg zum Ziel.

Und es ist nun mal so, dass beide Varianten Vor- und Nachteile haben. Das blenden ja beide Seiten gerne aus. Die Befürwörter nennen Vorteile, aber gehen auf Nachteile nicht ein. Die Gegner benennen Nachteile, aber führen keine Vorteile mit an. Und das stört mich ungemein.

Es wäre schön, wenn man objektiv an die Sache rangehen könnte und man wirklich mal Vor- und Nachteile gegeneinander abwiegen könnte. Denn ich glaube der absolute Großteil der Bürger hat keine Ahnung von der Materie. Gefährliches Halbwissen nennt man sowas gerne. Dann eine Meinung zu bilden, ohne die Daten und Faktenlage wirklich beurteilen zu können, ist schwierig bis unmöglich.


Da wäre Stuttgart 21

Es werden Flächen in bester Innenstadtlage frei. Ein Traum für jeden Städteplaner. Stuttgart hat nämlich zu wenig Fläche und es ist bekannt, dass Wohnflächen in Stuttgart knapp sind. Das weiß ich sogar aus eigener Erfahrung. Dementsprechend sehe ich es durchweg positiv, dass ein neues, tolles und lebendiges  Stadtviertel mitten in Stuttgart entstehen kann. Auch da haben die Gegner natürlich etwas zu bemängeln. Und zwar, dass die Fläche nicht sinnvoll bebaut wird und evtl. leerstehende Gewerbeflächen entstehen. Dem ist aber entgegenzuhalten, dass die Fläche noch gar nicht geplant ist und ich fest daran glaube, dass ein sinnvoller Mix aus Wohn- und Gewerbeflächen entsteht.

Egal wie man es dreht und wendet. Es ist einfach ein Vorteil, dass der Flughafen/die Messe besser angebunden sind. Zu welchem Preis steht auf einem anderen Blatt. Und es ist ein Vorteil, dass Ulm/München besser angebunden sind. Das ist zwar beim Kopfbahnhof 21 auch so, viele Gegner vergessen aber, dass auch bei K21 der Streckenneubau nach Ulm notwendig ist.

Unterführte Gleise entlasten den Bereich der Nackarvorstädte, also Bad Cannstatt und Obertürkheim/Mettingen. Es ist ja nicht so, dass dort niemand wohnt. Stuttgart 21 würde diese Trassen unterirdisch legen, weswegen die bisher oberirdischen Trassen nicht mehr notwendig sind und nicht ausgebaut werden müssen (und es heißt, dass 1998 wegen massiven Bürgerprotesten die Planungen die Trassen dort oberirdisch zu verlegen, geändert werden mussten und stattdessen ein unterirdisch realisiert werden sollten).


Da wäre Kopfbahnhof 21.

Der Kopfbahnhof in seiner jetzigen Form könnte behalten werden. Der Kopfbahnhof wird immer mehr zu einem seltenen Unikat. Der Charme und die Form die solche Bahnhöfe haben, mit dem Platz und der Möglichkeit ebenerdig die Regional- und Fernzüge zu wechseln ist beim neuen unterirdischen Bahnhof einfach nicht mehr da. Der Kopfbahnhof verkörpert Geschichte und Tradition, viel mehr als es natürlich ein moderner Durchgangsbahnhof zu versprühen mag.

Wie man es auch kalkuliert, sicherlich wäre eine Variante Kopfbahnhof 21, sollte sie denn technisch möglich sein, günstiger sein. Stuttgart 21 ist einfach immens teuer. Es ist ja auch ein extrem umfangreiches Projekt. Auch wenn der Unterschied kleiner wird, wenn man bedenkt, dass die Neubaustrecke nach Ulm auch hier notwendig ist. Nichtsdestotrotz sind die im Moment genannten Maximalkosten von ca. 10 Mrd. Euro eine Menge Geld, das auch in andere Schienenprojekte gesteckt werden könnte.

Die Bauzeit wäre kürzer. Das mit Sicherheit. Der Bahnhof müsste nicht massiv umgebaut werden, sondern nur die Schienenzuführung. Zwar müssten auch in dem Fall neue Tunnel gebaut werden, allerdings nicht in den Umfang wie bei Stuttgart 21.


Das sind zumindestens für mich die zentralen Positionen der beiden Varianten, unabhängig davon dass es hüben wie drüben Experten gibt, die den jeweils anderen Weg als technisch unmöglich deklarieren (weil bestimmte Tunnel nicht gebaut werden können/dürfen, weil bestimmte Trassen nicht mehr in den Neckarvororten ausgebaut werden können, weil es das Gestein an der oder jenen Stelle nicht zulässt usw.). Da glaube ich aber einfach an die Experten, die wissen was sie tun. Ich maße mir nicht an, diese Spezialfachgebiete besser zu beherrschen als sie.

Ich kann beiden Lösungen etwas abgewinnen. Die Kosten sind für mich kein Totschlagargument. Ein schönes Auto kostet auch etwas mehr als der rein vernunftgetriebe Kauf eines eher praktischen Autos. Für mich wichtig ist nur, dass man sich im Diskurs auf etwas festlegt, Kompromisse sucht und dann los marschiert. Und meistens ist weder die eine noch die andere Meinung perfekt. In diesem Sinne lasst uns vor allem über die Zukunft reden, über den Bebauungsplan beispielsweise.

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