Deutschland schafft sich ab. Sarrazins Ideen zur Integration
Es wurde ja schon viel zu Thilo Sarrazin und seinem neuen Buch "Deutschland schafft sich ab" geschrieben. Die Politik und Gesellschaft kritisiert vehement Aussagen des Bundesbankvorstands und bezeichnet Sarrazin schon als Rassisten. Aber ist das so?
Zugegeben, ich habe das Buch noch nicht gelesen und mache mir ein Bild alleine aufgrund der vielen Zitate und Aussagen die in den letzten Tagen rund um die Buchveröffentlichung gemacht wurden. Aber es macht den Anschein, dass Sarrazin weniger seine persönliche Meinung kundgetan hat, als viel mehr mit Zahlen, Daten und Fakten belegen konnte, dass viele Migranten und eben insbesondere die muslimischer Herkunft, Probleme bei der Integration und damit wenig Erfolg in Schule und Beruf haben. Um das zu erkennen muss man keinen Doktortitel haben, sondern einfach nur Statistiken und Studien auswerten. Und es macht den Eindruck, dass ein wiederholter Hinweis auf diese Problematik längst überfällig war. Denn ein schlüssiges Konzept wie nachhaltig die Integration der Ausländer verbessert werden kann, existiert einfach nicht. Bisher lautete die Devise totschweigen und dann und wann mal eine Dokumentation vom Duisburger Stadtteil Marxloh mit einem Ausländeranteil von ~35% im Fernsehen zeigen, so dass jeder sehen kann, dass der Herr Sarrazin gar nicht so unrecht hat mit seiner Aussage, dass ein erschreckend hoher Anteil der dort lebenden Migranten Empfänger von Sozialleistungen ist. Sieht so gelungene Integrationspolitik aus? Zurück zu Thilo Sarrazin. Ihn als Rassisten zu bezeichnen ist grober Unfug. In seinem Buch lobt er Juden und Vietnamesen. Vietnamesen deren Kinder beispielsweise zu 80% das Abitur machten, eine Quote weit über dem Durchschnitt. Oder Zuwanderer aus anderen EU-Staaten die häufiger einen Job hätten. Mitnichten verpauschalisiert er alle Ausländer gleichermaßen, wie es Rechtsextreme so gerne machen. Sicherlich ist die eine oder andere Aussage sehr scharf. Und Statistik hin oder her. Aus der Statistik herzuleiten, dass Intelligenz biologisch, da genetisch veranlagt, weitervererbt würde, ist zumindestens fragwürdig. Und im Zweifel sollte man dann vor dem Gebrauch solcher Aussagen nachdenken. Vor allem ist es eine Aussage mit der er allen rechtsradikalen Strömungen einen Bärendienst erwiesen hat. Die NPD wirbt ja nicht gerade leise um Herrn Sarrazin und verwendet Zitate aus seinem Buch auf Flügblättern. Somit ergeben sich für mich zwei Schlussfolgerungen. Erstens: Das Buch mit seinen Thesen und Fakten sagt im Grundsatz das Richtige aus. Zuwanderung wird für Deutschland immer wichtiger und demzufolge auch die Integration ein wichtiger, wenn nicht gar überlebenswichtiger, Bereich der deutschen Zukunft sein. Multikulturelle Gesellschaften gründen auf erfolgreicher Integration von Migranten. In dem Sinne können die Anstrengungen in dem Bereich gar nicht groß genug sein. Hier habe ich gedacht, dass Sarazzin nur der Typ Mensch sei, der mit dem Finger auf andere zeigt, diesen Menschen aber gar nicht weiterhelfen möchte. Das stimmt nicht. Sarrazin hat in seinem Buch wohl auch auf Lösungsansätze hingewiesen. Arbeitsfähige müssen gemeinnützige Arbeit verrichten. Migranten müssen Sprachkurse besuchen, unabhängig davon wann diese eingewandert sind. Es geht nur um die Tatsache, dass sie eben schlecht Deutsch beherrschen. Zuwanderungspolitik sollte den Fokus auf hochqualifizierte Arbeitskräfte setzen. Konzepte die z. B. Kanada erfolgreich umsetzt, müssten übernommen werden. Der Kindergarten sollte ab drei Jahren zur Pflicht werden, damit Migranten mit Deutschen und anderen Ausländern in Kontakt kommen. Damit sollte und kann aber nicht genug sein. Sarrazin hat Ansätze gezeigt, tatsächlich wäre es an der Zeit die politische Diskussion um tragfähige Integrationspolitik auszuweiten. Ideen, z. B. Ganztages- und Gesamtschulen gilt es durchzudenken und ernsthaft in Betracht zu ziehen. Zweitens: Sarrazin ist ein Provokateur erster Güte. Einer der die Klappe aufmacht. Einer der auch mal über das Ziel hinausschießt. Im Allgemeinen jedoch aufgrund sachlicher Analyse seine Aussagen trifft. Insofern, ja. Manche Aussagen sind unbedacht, hätten oder müssten anders formuliert und im Zweifel zurückgehalten werden. Aber er ist weder Rassist noch möchte er nationalistische Propagandaarbeit verrichten. So sehe ich das zumindestens, ich hoffe er selbst auch. In der Tat sollte Deutschland aufwachen. Denn der demografische Wandel in Verbindung mit einer höheren Quote nicht-integrierter Migranten führt zwangsläufig zu gesellschaftlichen Spannungen und Problemen, sowohl im sozialen, als auch im wirtschaftlichen Bereich. Bei all der Kritik wird Sarrazin dafür vielleicht den entscheidenen Denkanstoß geliefert haben.
